Hochtouren-Training: Die Basics lernen für Bergsteigen in Eis und Fels

Wer auf den hohen Dächern dieser Welt herumspazieren möchte, sollte mehr können, also nur einen Fuss vor den anderen setzen. Bergsteigen in Eis und Fels bedeutet mit Steigeisen und Seilschaft über Gletscher gehen, sich abseilen und die letzten Meter hoch klettern zu können – das ist definitiv nichts für Warmduscher. Als Wander- und Klettersteig-Liebhaber wollten wir schon lange eine Hochtour machen und somit eine neue persönliche Herausforderung annehmen. Eine Gletscherbesteigung fernab von festen Wanderwegen – aber was braucht man dazu?

In einem geführten Hochtouren-Training von Hauser Exkursionen haben wir herausgefunden, ob Hochtouren uns persönlich noch Spaß machen oder ob wir unsere persönlichen Grenzen beim Bergsteigen erreichen und doch lieber auf gefestigten Wanderwegen und Klettersteigen mit Stahlseil bleiben. Unser Fazit verraten wir dir ganz am Ende, jetzt erst einmal zu unserem viertägigen Hochtouren-Training und häufig gestellten Fragen:

Hochtouren Kurs - Bergsteigen für Anfänger

Was ist eine Hochtour?

Diese Frage haben wir unserem Bergführer ganz am Anfang auch gestellt. Seine Antwort: „Eine Hochtour erfordert besondere Vorbereitung und Ausrüstung, da man sich meistens auf der Höhe von Gletschern bewegt.“ Es hat also nicht zwingend etwas mit der Höhe an sich zu tun. Hochtouren sind fernab von gefestigten Wanderwegen, man sollte also nicht nur die nötige Ausrüstung, sondern auch nötige Orientierung und Erfahrung haben, um alle Gefahren wie Schnee- und Steinlawinen oder Gletscherspalten, einschätzen zu können.

Wozu ein Hochtouren-Training?

Ohne Vorkenntnisse einen Gletscher auf über 3000 Meter hochzulaufen, wäre dumm und lebensgefährlich. Sich in hochalpinem Gelände im Eis zu bewegen, erfordert gewisse Ausrüstung, Technik und Erfahrung. Bei einem Hochtouren-Training oder in unserem Fall dem „Eiskurs INTENSIV“ von Hauser Exkursionen lernst du in 4 Tagen die elementaren Techniken und das sich Bewegen auf dem Eis und Firn, um später selbstständig und sicher im vergletscherten Gelände unterwegs sein zu können. Unser sehr erfahrener Bergführer brachte uns die Technik mit Steigeisen und Eisgerät näher, wie man im Eis sichert und abseilt und wie man eine einfache Spaltenbergung organisiert. Diese Übungen sind im Ernstfall lebensrettend!

Das erste Mal Gletschereis unter den Steigeisen zu fühlen war ein tolles Gefühl und auch gar nicht schwer, um sich aber wirklich sicher zu bewegen, braucht man auch das nötige Wissen. Ein Hochtouren-Kurs ist also zum einen sinnvoll, um herauszufinden, ob man überhaupt schwierigere Expeditionstouren machen möchte und kann und zum anderen eine super Vorbereitung für weitere alpine Hochtouren oder Reisen in die Hochgebirge der Welt.

Für uns stand in erster Linie die Erfahrung und Sicherheit für eventuell kommende schwierige Touren im Vordergrund. Wir konnten für uns herausfinden, dass uns selbst eine anspruchsvolle Tour mit mehr Ausrüstung noch sehr viel Spaß macht. Eine Hochtour ist ein echtes Bergabenteuer. Wir lieben es, wenn uns die Aussicht und die Anstrengung zugleich den Atem rauben, wenn die Sonne den Gletscher zum Glitzern bringt und man sich oben auf dem Gipfel wie ein Held fühlt. Für uns ist das FREIHEIT! 

Wenn du Wandern, Klettersteige und die Berge genau so sehr liebst wie wir, dann teste einfach mal bei einem mehrtägigen Kurs, ob Hochtouren vielleicht auch deine neue Herausforderung sein können.

Hier kannst du dir freie Termin für nächstes Jahr sichern.

Welche Voraussetzungen und welche Fitness solltest du für ein Hochtouren-Training mitbringen?

Um bei einem Hochtouren-Training wie unserem mitzumachen, brauchst du keine speziellen Vorkenntnisse. Auch wenn du noch nie auf Steigeisen oder in einem Klettergurt warst, ist das kein Problem. Was du mitbringen solltest, ist eine gute Grundfitness und Grundausdauer. Wir würden uns als „normal sportlich“ bezeichnen, gehen im Sommer öfter Wandern und 1-3 mal die Woche ins Fitness-Studio und haben den Kurs konditionell locker geschafft. Die meisten Menschen haben bis zu einer Höhe von 3000 Meter auch keine Probleme mit Höhenkrankheiten. Die Kurse sind in der Regel nicht höher. Zur nötigen Grundausrüstung gehören ein Rucksack (30l, mit Pickelhalterung), gute Wanderschuhe (knöchelhoch und bedingt steigeisenfest, also Kategorie B/C-D), Regenjacke, warme Wandersachen, Wanderstöcke und eine Gletschersonnenbrille. Letzteres hatten wir leider nicht, was wir mit einer leichten Augenhornhaut-Verbrennung sofort bereuen haben. Also schütze deine Augen mit einer Sonnenbrille die das Auge gut umschließt und mindestens Kategorie 3-Gläser hat. 

Die restliche Ausrüstung wird gestellt, eigenes Equipment darf natürlich auch mitgebracht werden:

  • Steigeisen (vorne zwei Zacken)
  • Hochtourengurt oder Klettergurt
  • Kletterhelm
  • 1-2 Bandschlingen (60 – 120 cm) 
  • 2 Reepschnürre
  • mind. 1 HMS-Karabiner
  • 2 Schraubkarabiner 
  • 1-2 Eisschrauben
  • Pickel
  • Seil (egal ob statisch oder dynamisch)
  • Tuber (Abseilgerät)
  • Stirnlampe 
Nötige Ausrüstung für eine Hochtour

Tipps:

  • Wann ist ein Schuh (bedingt) steigeisenfest? Er sollte wasserdicht sein, eine sehr harte Sohle haben (Kategorie C oder D). Bedingt steigeisenfeste Schuhe haben hinten eine kleine Einkerbung, an denen die Steigeisen befestigt werden können. "Komplett" steigeisenfeste Schuhe haben hinten und vorne eine Einkerbung. Aber auch ohne diese Einkerbungen kannst du Steigeisen mit "Körbchen" benutzen.
  • Steigeisen und Schuhe sehr eng schnüren, lockeres Gefühl ist nicht gut. Steigeisen sollen direkt mit Schuh abschließen
  • Kletterhelm hat ein Ablaufdatum: Er sollte spätestens 7 Jahren nach Produktionsdatum (steht auf dem Helm) ausgetauscht werden
  • Gurt hat ein Ablaufdatum: Er sollte spätestens 12 Jahren nach Produktionsdatum (schaut am besten mal bei eurem Equipment nach) ausgetauscht werden

Was wir beim Eiskurs INTENSIV gelernt haben:

  • Die richtige Ausrüstung packen
  • Sicheres Gehen in steilem Gelände und eisigem Untergrund
  • Sichern und Abseilen
  • Rettung aus einer Gletscherspalte
  • In Seilschaft gehen (inkl. Vor- und Nachteile einer Seilschaft)
  • Gefahren bei Hochtouren kennen: Lawinen, Gletscherspalten, Wetter
  • Wetterkarten lesen
  • Touren planen und Karten lesen (Wichtig für die Planung: Wetter, Ausrüstung, Faktor Mensch, Planungsmaterial, Lawinenlagebericht)

 

Gute Online-Karte: Alpenvereinaktiv.com 

Gute Wetterkarten: ZAMG , Windy App

Kleine Knotenkunde:

  • Sackstichauge: In Seilschaften mit Gurt verbinden (oder auch als Bremsknoten genutzt)
  • Einfacher Sackstich: einfacher Hausfrauenknoten
  • 8er-Knoten: geht einfach auf, normaler Anseilknoten beim Sportklettern
  • Prusik: Klemmknoten, der nicht am Karabiner rutscht aber beispielsweise auch am Seil verschoben werden kann (sehr wichtiger Knoten) 
  • Doppelter Prusik: dreimal um die Achse gewickelt: Klemmknoten, wichtig für Spaltenrettung
  • Halbmastwurf: Rettungsknoten zum Hochziehen für Bergrettung (auch zum Abseilen wichtig)
  • Mastwurf: zum Selbstsichern

Um all diese hier aufgelisteten Techniken zu lernen, haben wir viel draußen direkt auf dem Gletscher, aber auch im Seminarraum in der Hütte geübt. Da dort ein kleine Kletterhalle mit hohen Decken und extra Balkonvorrichtung war, konnte man auch die Spaltenrettung sehr gut üben.

Hier noch ein paar Tipps für den Wanderalltag, die man immer brauchen kann: 

 

Wie geht man am stabilsten auf Altschnee/ Schneefeldern? 

  • Kleine Schritte, leicht in die Knie gehen, hüftbreiter Gang, Zehenspitzen nach außen („Watschelgang“)
  • Bei sehr steilem Gelände eine Fußspitze frontal in den Schnee, den anderen Fuß schräg zum Tal (harte Sohlen von Vorteil)
  • Beim bergab gehen mit Ferse Tritte schlagen
  • Serpentinenartig/ im Zick Zack nach unten gehen

Am dritten Tag stand ein weiteres Highlight an: Eine echte Gletschertour auf einen 3000er. Da das Wetter sich für nachmittags nicht allzu gut angekündigt hatte, stiefelten wir um 7.00 Uhr schon los Richtung Gletscher. Ohne Sonne, war es noch relativ frisch, aber uns wurde schnell warm. Bei den Schneefeldern angekommen, wurden die Steigeisen und die Gurte angelegt und wir wanderten in der Seilschaft hoch – steil hoch! Mit den Steigeisen hatten wir allerdings immer sehr guten Halt. Als es dann richtig steil wurde, mussten wir auch mit dem Pickel mithelfen bzw. unser Bergführer schlug uns Stufen in den Schnee. Wir fragten uns nur, wie wir da jemals wieder runter kommen sollen, da wir den gleichen Rückweg geplant hatten😅. Die letzten 5 Meter mussten wir tatsächlich noch mit den Steigeisen klettern. Abgesehen davon, dass spitzer Stahl auf Fels keine schönen Geräusche macht, war das echt nicht so einfach. Doch wir hatten es geschafft – ca. 900 Höhenmeter zurückgelegt, standen nun auf 3300 Meter und konnten sogar den Großvenediger sehen. Beim Abstieg kam unerwartet auch immer wieder mal die Sonne raus und wir merkten, wie der Schnee innerhalb der wenigen Stunden richtig matschig geworden ist.  Selbst kleine Schritte wurden durch leichtes Rutschen plötzlich zu ganz Großen und das Seil war immer wieder auf Spannung. Aber wieder mal dankten wir unseren Steigeisen, die uns sichern halt gaben.

Das Bergab laufen mit leichtem Rutschen hat uns gerade richtig gemacht, da wurde es plötzlich laut und wir sahen, wie sich ca. 500 Meter von uns entfernt ein riesiger Eisbrocken vom Gletscher löste. Auch einige größere Felsbrocken stürzten zeitgleich ins Tal. Da wurde uns wieder schlagartig bewusst, welche Macht die Natur hatte. Man sollte die Gefahren am Berg NIE unterschätzen. Stein- und Schneelawinen sind immer noch die zweithäufigste Todesursache am Berg. Unser Bergführer wählte daher für den weiteren Abstieg doch eine etwas andere Route, sodass wir die Gefahrenzone größtmöglich umgingen. Nach einer ausgiebigen (Nach-)mittagspause auf der Hütte, übten wie im Seminarraum nochmal die Bergung aus der Gletscherspalte. 

Warnsdorfer Hütte & Umgebung

Das Gebiet um den Krimmler Kees Gletscher im Achental im Salzburger Land ist perfekt für Gletscherneulinge. Von der Warnsdorfer Hütte kann man bequem auf einem normalen Wanderweg bis zum Gletscher laufen. Die unteren Schneefelder sind auch noch nicht allzu steil. Unterhalb der Hütte finden sich auch einige Übungsfelsen, an denen man Klettern und Abseilen üben kann. Aber auch für normale Wanderer ist die Hütte im Sommer ab Juli zu empfehlen. Wenn der Schnee geschmolzen ist, gibt es hier tolle Wanderungen zum Gletschersee oder zur Essener- und Rostockerhütte. 

Anfahrt: Wenn man bei der Warnsdorfer Hütte einen Transfer bucht, kann man direkt beim Alpenvereinshaus in Krimml parken und wird dann von einem Hüttenzubringer abgeholt und bis zur Materialseilbahn gebracht. Von dort aus läuft man nochmal ungefähr 1 Stunde bis zur Hütte. Durch das Achental kann man nämlich nicht mit dem Auto fahren. Alternativ kann man auch 6h von Krimml aus bis zur Hütte wandern, aber das wäre an unserem Anreisetag nicht mehr möglich gewesen.

Die Warnsdorfer Hütte bietet Zimmer und Lagerplätze an. Das Highlight war das 3-Gänge-Menü abends ab 18.00 Uhr. Es gab täglich wechselnde Salate, Suppen, einen Hauptgang (auch vegetarisch) und eine Nachspeise. Wenn du dort übernachtest, können wir dir zwei Dinge ans Herz legen

1. Bestelle dir mindestens einmal den Kaiserschmarrn

2. Setze dich zum Sonnenuntergang raus auf eine Bank 

Egal wohin du blickst, das Panorama auf der Warnsdorfer Hütte ist einfach genial: überall Wasserfälle, Gletscher, Murmeltiere, Blumen und Berge. Daran kann man sich eigentlich nie satt sehen.

WLAN gibt es auch auf der Hütte, ist aber kostenpflichtig (1,50 € für 15 Minuten und Upload funktioniert leider nicht wirklich gut). Ansonsten hat man keinen Empfang. Du kannst die paar Tage in der Hütte also auch super für Digital-Detox nutzen!

Abends saßen wir oft zusammen und haben Knoten geübt oder den spannenden Geschichten unseres Bergführers Johannes gelauscht. Er ist hauptberuflicher Bergführer seit über 13 Jahren und hat schon einiges erlebt auf den höchsten Bergen dieser Welt!

Fazit zum Hochtouren-Training:

  • In der Seilschaft geht man die allermeiste Zeit hintereinander. Beim Hochtouren gehen kannst du also nicht mit den anderen die ganze Zeit über Gott und die Welt reden, sondern ist eher auf die Tour und sich selbst konzentriert. Wir persönlich fanden das auch sehr schön. Wir lieben es auch mal ganz bei sich selbst zu sein, die Ruhe und die Natur um sich zu 100% wahrzunehmen (ähnlich wie beim Tauchen)! Denn wann macht man das schon? 
  • Wir haben nun Blut geleckt am Hochtouren gehen und werden definitiv bald wieder die Steigeisen anlegen. Allerdings würden wir es uns noch nicht zutrauen komplett allein los zu gehen, da uns doch einfach die Erfahrung fehlt, um Gefahren genau einzuschätzen. Aber eine geführte Tour beispielsweise auf den Großvenediger wäre als nächstes mit Sicherheit ein gutes Ziel.
  • Wir müssen die Knoten auf jeden Fall weiterhin zuhause üben, denn ansonsten verlernt man sie auch schnell wieder.
  • In einer Wandergruppenreise trifft man eig. immer coole Leute, schließlich teilen alle das selbe Interesse, nämlich Wandern!

Wenn ihr auch mal Lust habt, den Gletscher von ganz nah glitzern zu sehen, dann checkt einfach mal die Kurse bei Hauser Exkursionen aus! 

Offenlegung: Diese Reise erfolgte aufgrund einer Einladung. Unsere eigenen Eindrücke und unsere Meinung sind davon unbeeinflusst.


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